Rechtsstreitigkeiten um Rückerstattungen von Verlusten bei nicht lizenzierten Online-Glücksspielen halten an
Katja Krüger · Jun 6, 2026

Rechtsstreitigkeiten um Rückerstattungen von Verlusten bei nicht lizenzierten Online-Glücksspielen halten an

Deutsche und österreichische Gerichte sehen sich seit Jahren mit Klagen von Spielern konfrontiert, die Verluste aus Online-Glücksspielen bei nicht lizenzierten Anbietern zurückfordern, während der Europäische Gerichtshof in mehreren Vorabentscheidungsverfahren die endgültigen Entscheidungen an nationale Instanzen zurückverweist. Die Fälle betreffen Einsätze aus der Zeit vor der aktuellen Regulierung, und Betreiber stehen weiterhin vor offenen Haftungsfragen. In Juni 2026 laufen zahlreiche Verfahren noch immer, da Richter auf nationaler Ebene die Auslegung europäischer Vorgaben konkretisieren müssen.
Hintergründe der Rückforderungsklagen
Spieler reichen seit längerem Zivilklagen ein, in denen sie argumentieren, Verträge mit illegalen Plattformen seien nichtig und Einsätze daher erstattungspflichtig, während Gerichte in Deutschland und Österreich die jeweiligen Sachverhalte prüfen und auf frühere EuGH-Urteile Bezug nehmen. Die Verfahren betreffen vor allem Anbieter ohne nationale Lizenz, deren Angebote zwischen 2012 und 2021 zugänglich waren, und die Kläger stützen sich auf Verbraucherschutzvorschriften sowie Glücksspielgesetze der Bundesländer. Forscher der Universität Wien dokumentierten in einer Analyse, dass allein in Österreich mehrere hundert solcher Fälle anhängig sind, während deutsche Amtsgerichte ähnliche Muster beobachten und die Verfahren oft über mehrere Instanzen laufen.
Die Rolle des Europäischen Gerichtshofs
Der EuGH hat in wiederholten Vorlagen nationale Gerichte dazu angehalten, die Vereinbarkeit von Verbotsregelungen mit EU-Recht zu bewerten, doch in den jüngsten Entscheidungen überlässt das Gericht die konkrete Anwendung den Mitgliedstaaten. Mehrere Verfahren, darunter C-440/23 und weitere anhängige Rechtssachen, führten zu Urteilen, die Grundsätze bestätigen, ohne die Haftung der Betreiber abschließend zu regeln. Beobachter notieren, dass diese Zurückverweisung die Verfahrensdauer verlängert, da Landesgerichte nun Einzelfallprüfungen vornehmen und Beweise zu Lizenzstatus sowie Spieleraufklärung sammeln. Die Europäische Kommission veröffentlichte Berichte zu grenzüberschreitenden Glücksspieldiensten, die zeigen, wie unterschiedliche nationale Umsetzungen zu anhaltenden Unsicherheiten führen.
Aktueller Stand der Verfahren in Juni 2026
In Deutschland bearbeiten Oberlandesgerichte in mehreren Bundesländern Berufungen, während in Österreich das Oberste Gerichtshof noch offene Fragen zu Schadensersatzansprüchen klärt und auf die EuGH-Richtlinien verweist. Die Fälle bleiben unentschieden, weil Richter weitere Beweiserhebungen anordnen und die genaue Reichweite von Verbraucherschutzrichtlinien prüfen. Daten des deutschen Justizministeriums zeigen, dass über 1500 Klagen in diesem Bereich seit 2023 eingegangen sind und nur ein kleiner Teil bislang abgeschlossen wurde. Österreichische Behörden berichten von vergleichbaren Zahlen und betonen die Notwendigkeit einheitlicher Kriterien für die Bewertung illegaler Angebote.

Auswirkungen auf Betreiber und Haftungsfragen
Betreiber ohne Lizenz sehen sich mit potenziellen Rückzahlungsverpflichtungen konfrontiert, die sich auf Millionenbeträge summieren können, während sie gleichzeitig argumentieren, dass frühere regulatorische Grauzonen bestanden und Spieler freiwillig gehandelt hätten. Nationale Richter prüfen in den laufenden Prozessen, ob Betreiber über die Rechtswidrigkeit ihrer Plattformen informiert waren und ob Verträge unter diesen Umständen wirksam geschlossen wurden. Eine Studie des Europäischen Instituts für Glücksspielforschung legt nahe, dass die Unsicherheit über die finale Haftung zu verzögerten Vergleichen führt und manche Anbieter ihre Geschäftstätigkeit in der Region anpassen. Die Situation betrifft auch Zahlungsdienstleister, die an Transaktionen beteiligt waren und nun in Nebenverfahren einbezogen werden.
Vergleichbare Entwicklungen in Österreich
Österreichische Gerichte verfolgen parallele Ansätze und verweisen ebenfalls auf EuGH-Entscheidungen, ohne eigene abschließende Leitlinien zu schaffen, sodass Kläger und Beklagte auf weitere nationale Urteile warten. Die dortigen Verfahren beziehen sich häufig auf grenzüberschreitende Angebote, die aus Deutschland oder anderen EU-Staaten erreichbar waren, und Richter bewerten die Einhaltung von Werbeverboten sowie Alterskontrollen. Berichte der österreichischen Finanzmarktaufsicht dokumentieren steigende Anfragen von Spielern zu Rückforderungen und zeigen, wie die Verfahrensflut die Kapazitäten der Justiz beansprucht. Beide Länder tauschen sich auf EU-Ebene über mögliche Harmonisierungsmaßnahmen aus, ohne dass konkrete Ergebnisse bis Juni 2026 vorliegen.
Ausblick auf künftige Entscheidungen
Experten erwarten weitere Vorabentscheidungsersuchen an den EuGH, sobald nationale Gerichte auf neue Beweislagen stoßen und die Auslegung von Verbraucherschutzvorschriften vertiefen. Die anhaltende Dezentralisierung der Entscheidungsfindung führt dazu, dass Betreiber und Spieler auf regionale Präzedenzfälle achten müssen, die sich über Monate oder Jahre entwickeln. Eine Analyse der Europäischen Glücksspielvereinigung hebt hervor, dass klare Leitlinien zur Betreiberhaftung den Druck auf die Gerichte verringern könnten, doch bislang bleiben die Fälle offen und erfordern individuelle Prüfungen. In Juni 2026 zeichnet sich ab, dass die Rechtslage erst durch eine Reihe höchstrichterlicher Urteile auf nationaler Ebene stabilisiert werden kann.
Schlussfolgerung
Die Verfahren um Rückerstattungen bei nicht lizenzierten Online-Glücksspielen in Deutschland und Österreich bleiben durch die fortgesetzte Zurückverweisung an nationale Gerichte ungelöst, und Betreiber sowie Spieler sehen sich mit anhaltender Unsicherheit konfrontiert. Die EuGH-Entscheidungen liefern grundlegende Prinzipien, überlassen jedoch die konkrete Anwendung den Mitgliedstaaten, wodurch sich die Verfahren über mehrere Instanzen erstrecken. Aktuelle Entwicklungen in Juni 2026 zeigen, dass weitere Urteile erforderlich sind, bevor eine einheitliche Linie zur Haftung und zu Erstattungsansprüchen entsteht.